A05 – Spatel im Mund – ein einfacher Trick für kräftigere Lippen und bessere Aussprache

Wenige Minuten am Tag genügen, um das Atemmuster zu unterstützen, ohne den Abend in eine Unterrichtsstunde zu verwandeln.

Anleitung:

Körperhaltung

Bei den Übungen ist die Körperhaltung entscheidend. Setzen Sie sich aufrecht hin. Stellen Sie die Füße flach auf den Boden, beugen Sie die Knie im rechten Winkel und halten Sie den Oberkörper senkrecht zum Boden. Halten Sie den Kopf gerade und blicken Sie nach vorn.
So vermeiden Sie Kompensationen. Kompensationen im Körper sind unbewusste Schutzmechanismen, bei denen bestimmte Strukturen oder Muskeln die Arbeit anderer übernehmen, wenn diese geschwächt oder geschädigt sind oder Schmerzen verursachen.

Übung

Für diese Übung benötigen Sie einen Holzspatel. Entspannen Sie den Mund. Schieben Sie den Holzspatel zwischen die Lippen. Schließen Sie die Lippen locker um den Spatel, sodass er nicht herausfällt. Halten Sie diese Position 5 Sekunden lang.

Worauf wirkt das?

  • Ringmuskel des Mundes (Musculus orbicularis oris): Er ist für die Bewegungen der Lippen zuständig (Verengen, Vorstülpen). Diese Übung baut die Spannung in diesem Bereich schnell ab und verbessert Elastizität und Durchblutung der Lippen. 

  • Mimische Gesichtsmuskeln (darunter der Wangenmuskel – Musculus buccinator): Die durch die Mundhöhle strömende Luft bläht die Wangen sanft auf, wodurch sich die gesamte Gesichtsmuskulatur lockern lässt.

  • Atemmuskulatur (vor allem Zwerchfell und Zwischenrippenmuskeln): Um eine stabile Vibration der Lippen auszulösen und aufrechtzuerhalten (das charakteristische „prrr“), ist ein gleichmäßiger, kontrollierter Luftstrom nötig. Dabei werden die Muskeln beansprucht, die für die sogenannte Atemstütze zuständig sind. 

Wie hilft Ihnen das?

  • In der Logopädie und bei Diktionsübungen – verbessert die Lippenarbeit, steigert die Deutlichkeit der Sprache und unterstützt die Therapie von Aussprachestörungen (z. B. bei interdentalem Lispeln oder beim Anbahnen des Lautes „r“).
  • Im Bereich der Stimmbildung – hilft, Verspannungen im Artikulationsapparat vor dem Singen oder einer öffentlichen Rede zu lösen, was sich in einem leichteren Stimmklang niederschlägt.
  • Entspannung – wirkt lockernd auf die Kaumuskeln und das gesamte Gesicht, was unter anderem Menschen hilft, die unbewusst die Zähne zusammenbeißen oder mit Stress zu kämpfen haben.

Für wen und in welcher Situation eignet sich das?

Die Übung „Pferdeschnauben“ eignet sich für Menschen jeden Alters.
Sie erfüllt unterschiedliche Funktionen bei Kindern, Erwachsenen sowie bei professionellen Sprecherinnen und Sprechern oder Sängerinnen und Sängern.

1. Bei Kindern (im Rahmen von Prävention und logopädischer Therapie)

  • Ab dem Säuglingsalter: In Form eines natürlichen Spiels zwischen Elternteil und Kleinkind (z. B. beim Wickeln oder Baden). Das Kind beobachtet den Mund des Erwachsenen und versucht mit der Zeit, ihn nachzuahmen, was den Ringmuskel des Mundes stimuliert.
  • Im Kindergartenalter (2–6 Jahre): Als fester Bestandteil sogenannter Artikulationsgeschichten und der Mund- und Zungengymnastik.
  • Wann lohnt es sich besonders?
  • Wenn das Kind angespannte Lippen und Wangen hat oder gewohnheitsmäßig durch den Mund atmet.
  • In der myofunktionellen Therapie (z. B. bei interdentalem Lispeln).
  • Vor dem Erlernen der Aussprache schwierigerer Laute, die präzise Lippenbewegungen erfordern.

2. Bei Erwachsenen, Sängerinnen und Sängern sowie Menschen, die mit der Stimme arbeiten

  • Vor einem öffentlichen Auftritt oder dem Singen: Als Teil des Aufwärmens des Sprechapparats. Sie lockert schnell die stressbedingt verspannten Gesichts- und Kehlkopfmuskeln.
  • Nach intensivem Sprechen: Um die Ermüdung der Stimmbänder und der Artikulationsmuskeln zu verringern (sogenanntes Abkühlen der Stimme).
  • Beim Stressabbau: Das Schnauben hilft, den Kiefer zu lockern, in dem sich häufig Emotionen ansammeln.
  • Beim Yoga, Stretching oder bei der Meditation.

 

 

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